Frida Kahlo – Der gefundene Schlüssel

plakat_fridakahlo-200x282Frida Kahlo – ihre Fotos
1.2. – 10.5.2015, MARTA Herford

Der gefundene Schlüssel
Von Sonia Wohlfarth Steinert

Die mexikanische Malerin Frida Kahlo (1907-1954) musste nach einem Verkehrsunfall viel Zeit mit Operationen verbringen und war immer wieder ans Bett gefesselt. Sie verarbeitete Schmerz und Leid in vieler ihrer Bilder.

Mit dem Schlüssel zu einer Badezimmertür in Frida Kahlos Eltern- und Atelierhaus, der Casa Azùl in Mexico City, beginnt die eigentliche Geschichte der nun gezeigten Ausstellung bisher unveröffentlichter privater Fotografien, die auch Frida Kahlos Lebenslust und Liebschaften zeigt.

Diego Rivera, mexikanischer Wandmaler und Ehemann von Frida Kahlo, hatte den Schlüssel Maria de los Dolores Olmedo anvertraut, einer seiner zahlreichen Freundinnen, Geschäftsfrau, Kunstmäzenin und späteren Direktorin des Atelierhauses. Sie musste versprechen, die verschlossene Badezimmertür erst nach 15 Jahren aufzuschließen, um zu zeigen, was sich dahinter verbarg.

Maria de los Dolores Olmedo hielt ihr Versprechen. Aus den 15 Jahren wurden allerdings 50 Jahre. Erst nach ihrem Tod fand sich der Schlüssel und 2007 im dahinterliegenden Ankleidezimmer der Casa Azúl ein Fotoarchiv mit 6000 Fotos, zahlreichen Dokumenten und persönlichen Dingen von Frida Kahlo und Diego Rivera.

plakat_fridakahlo-200x282Eine Auswahl mit 241 Fotografien aus diesem gefundenen Nachlass zeigt bis Mai das MARTA im ostwestfälischen Herford. Pablo Ortiz Monasterio vom Museo Frida Kahlo in Mexico City hat die Fotoausstellung zusammengestellt. Nach Ausstellungsende geht sie nach Neuseeland und Australien. In Deutschland ist Herford die bisher einzige Station.

Sechs Themenbereiche zeigen keine systematische Sammlung sondern das „Who is who“ der damaligen Zeit. Frida Kahlo versah die geschenkten Fotografien von bekannten Künstlern (Man Ray, Martin Munkácsi, Brassai u.a.) oder Menschen der Öffentlichkeit mit Lippenstiftküsschen und kleinen Texten auf der Rückseite. Mit einigen, z.B. Leo Trotzki verband sie eine Liebesgeschichte. Frida Kahlo und Diego Rivera heirateten zwei Mal, lebten eine Amour fou und offene Ehe.

Fotos der Familie zeigen ihren deutschstämmmigen Vater Guillermo Kahlo. Der Berufsfotograf war mit 18 Jahren aus Pforzheim nach Mexico City emigriert. „Fotografie hat im Hause Kahlo eine große Rolle gespielt“, so MARTAs Museumsdirektor Roland Nachtigäller.

plakat_fridakahlo-200x282Frida Kahlo direkt zuzuordnen, weil signiert, sind vier der gezeigten eher surrealen Fotos mit Spielzeugkutsche oder dem New Yorker Rockefellercenter. Sie hat auch Fotos collagiert, ausgeschnitten und Ecken beschnitten.

Das kommunistische und politisch aktive Künstlerpaar fühlte sich eng verbunden mit der indigenen Bevölkerung Mexikos. Frida Kahlo zeigte sich gerne geschmückt und in unterschiedlicher, mexikanischer Tracht. Beide verwendeten Fotografien als Vorlagen für ihre, auch indigenen Kunstmotive.

Die Ausstellung zeigt Reproduktionen in Originalgröße. Die fragilen Originalfotos Frida Kahlos bleiben in den Archivkartons der Casa Azúl und werden weiter gesichtet und ausgewertet.

Der Badezimmerschlüssel hat eine spannende Tür geöffnet.

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