Kulturpreis des LVO 2015

kulturpreis2015Ehrung für einen philosophischen Kopf. Günter Schuhriemen erhält den Kulturpreis des Landschaftsverbandes.

Foto: LVO-Vizepräsident Landrat Dr. Michael Lübbersmann, Günter Schuhriemen, Professor Dr. Tilman Westphalen, Christine Grewe (Ehefrau des auf Studienreise befindlichen Künstlers Frank Gillich), Künstler Werner Kavermann.
Musikalische und textliche Ehrbezeugungen konnte Gunter Schuhriemen, Intendant der Quakenbrücker Musiktage, am 10. September auf dem Hof Seidel-Lott im Melle-Neuenkirchener Ortsteil Suttorf entgegennehmen. Der Landschaftsverband Osnabrücker Land (LVO) verlieh ihm seinen diesjährigen Kulturpreis.
Im passenden ländlichen Ambiente des schmucken Hofes tief im Süden des Landkreises Osnabrück erhielt Günter Schuhriemen aus den Händen von LVO-Vizepräsident Landrat Dr. Michael Lübbersmann und LVO-Vorstandsvorsitzender Stadträtin Rita Maria Rzyski den mit 5.000 Euro dotierten Preis für seine besonderen Verdienste um die Kultur des Osnabrücker Nordlandes. Lübbersmann bezeichnete den Preisträger als Motor, Begleiter und Intendant der Quakenbrücker Musiktage, die dieser 1985 ins Leben rief und 2007 um das Artländer Sommerfestival ergänzte. Schuhriemen gründete darüber hinaus den Philharmonischen Chor in Quakenbrück, der sich als Oratorienchor einen Namen gemacht hat.
Als Laudator fand der Dirigent und langjährige Wegbegleiter Schuhriemens, Volker Schmidt-Gertenbach, beeindruckende und gleichzeitig launige Worte. Er bezeichnete Schuhriemen als philosophischen Kopf, der im Gegensatz zu den „Brotgelehrten“ Freude in seinem Gegenstand finde. Schmidt-Gertenbach unterhielt die Gäste des Landschaftstages mit kleinen Anekdoten aus dem Quakenbrücker Festivalgeschehen und machte gleichzeitig deutlich, mit welchem persönlichen Einsatz der Preisträger – natürlich neben aller Fachkenntnis und Erfahrung – seine Künstler und Künstlerinnen betreue und auch gegen vielerlei Widerstände kämpfe. Er habe so das Artland zu einem „Land voller Art“ gemacht. Als besonderes Geschenk für Günter Schuhriemen überraschte der Laudator auch die Gäste mit der Violinistin Marie-Claudine Papadopoulos, die mit begeisternder Virtuosität Stücke von Bach, Paganini und Ernst vortrug.
Günter Schuhriemen betonte in seinem Dank an den LVO, dass die Kulturpreisverleihung auch dessen große Wertschätzung für die Musik deutlich mache. Er selbst hätte künstlerisch wertvolle Kulturarbeit auf das Land bringen wollen. Dies sei ihm dank vieler glücklicher Umstände und Fügungen, Interesse der Politik und wohlwollender Förderer gelungen, aber auch besonders durch die Hilfe seiner Familie und besonders seiner Frau.
Die Auszeichnung des LVO erhielt im Anschluss Professor Dr. Tilman Westphalen für sein unschätzbares Engagement für die Erforschung und Bewahrung des Werkes von Erich Maria Remarque. Professor Westphalen hat sich über Jahrzehnte mit großer Beharrlichkeit der Erschließung, Dokumentation , Erforschung und Vermittlung des Werks des in Osnabrück geborenen Schriftstellers und Pazifisten gewidmet. In ihrer Laudatio befand Karin Jabs-Kiesler, Osnabrücker Bürgermeisterin und Vorsitzende der Felix-Nussbaum-Gesellschaft, das die Gesellschaft „unbequeme“ Persönlichkeiten wie Tilman Westphalen brauche. So habe Westphalen schon früh die fehlende Aufarbeitung der nationalsozialistischen Geschichte der jungen Bundesrepublik angeprangert. Er habe sich mit der Gründung der Erich Maria Remarque-Dokumentationsstelle und des von ihm jahrelang geleiteten Remarque-Archivs um die Pflege des Erbes und Gedankenguts des Osnabrücker Autors verdient gemacht. Besonders hervorzuheben sei auch Westphalens kompromisslose Haltung gegen Unterdrückung, Gewalt und moralische Indifferenz.
Westphalen bedankte sich mit einem klaren politischen Bekenntnis zu seiner freiheitlich-friedenskämpferischen Position – eine Rede, die niemanden der zahlreichen Festgäste unberührt ließ. Der Geehrte nannte dabei zu Beginn einige LVO-Preisträger der vergangenen Jahre, denen er sich besonders verbunden fühle, insbesondere Volker Issmer, Jochen Ohliger, Peter Junk und Wendelin Zimmer sowie Hans Jürgen Meyer.
Der Künstler Frank Gillich erhielt den ersten Preis in einem Künstlerwettbewerb, den der LVO unter dem Motto „Von hier bis morgen“ ausgeschrieben hatte. Gillich lädt mit seiner Arbeit mit ihrem „Wurstzipfel“-Motiv als vordergründig dekorativer Form zum Nachdenken über die Rahmenbedingungen künstlerischen und kulturellen Engagements ein. Tilman Westphalen erhielt Gillichs Siegerobjekt „Zipfelblumenstrauß“ aus Steinguss als erster Träger der Auszeichnung. Das Werk wird auch in den nächsten Jahren dem jeweiligen Träger der Auszeichnung des Landschaftsverbandes verliehen werden. Den zweiten Preis erhielt Werner Kavermann für seinen Wettbewerbsbeitrag „Den Berg zum Rollen bringen“. Das Keramikobjekt stellt in einem sehr sprechenden Bild ebenfalls eine gedankliche Verbindung zur Kulturarbeit her, die sowohl ironisch als auch wörtlich interpretierbar bleibt.
Vor den Preisverleihungen hatte Hausherr Ulrich Seidel die Festgäste auf seinem Hof begrüßt und mit einem kleinen Rückblick auf das erfolgreiche LVO-Projekt „Sommerflimmern – Kino auf dem Lande“ auf die Veranstaltung eingestimmt. Der Hof Seidel-Lott ist einer der zwölf Sommerflimmern-Spielorte, und Seidel betonte mit Blick auf die enorm gestiegenen Besucherzahlen die Bedeutung kultureller Angebote gerade für den ländlichen Bereich. LVO-Vizepräsident Lübbersmann umriss im Anschluss die Betätigungsfelder des LVO, der neben dem Sommerflimmern für 2016 auch eine Tagung zu 500 Jahren Reformation plant. Lübbersmann schloss seine Rede mit einem Dank an alle Förderer und Kooperationspartner des LVO.
Mit einem gemeinsamen spätsommerlichen Imbiss klang der Landschaftstag 2015 des LVO aus.

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