Die Kraft des Absurden und das Perfekte im Nichtperfekten – Joachim Raffel und Namu3

namu3 und Guylaine CosseronInterview mit Joachim Raffel (percussion, found objects, voice) zum Konzert von Namu 3 und Guylaine Cosseron im Intervision-Studio, Lohstr. 58, Donnerstag, 19.11.2015, 20h

* Du hast Erfahrungen mit Improvisation als Jazzpianist. Wie ist es zu Namu3 gekommen?
NAMU 3 ist 2012 aus der Erweiterung meines Duos mit Steve Gibbs, dem belgisch-amerikanischen Gitarristen, entstanden, den ich bereits seit Anfang der 90er Jahre kenne. Er hat u. a. 1992 beim Diplomkonzert meines Jazz-Piano-Studiums an der Amsterdamse Hogeschool voor de Kunsten mitgespielt. Etwa 2004 habe ich zunehmend begonnen, mich neben dem Jazz Piano und dem Komponieren mit Percussion, Geräuschimprovisation und der Einbeziehung verschiedenster gefundener Objekte zu befassen. Das dann 2005 mit Steve Gibbs in Brüssel aufgenommene Album namu sehe ich in dieser Hinsicht als ein persönliches Schlüsselwerk. Die Verwendung von nonsense syllables, wie sie im koreanischen Zen vorkommen (Steve verbrachte längere Zeit in buddhistischen Klöstern in Südkorea), der Sinn für Absurdes und für das Perfekte im Nichtperfekten prägen dieses Werk.

2012 erweiterte Willem Schulz (Violoncello) unser Duo zum Trio NAMU 3. Es ging uns darum, mehr Möglichkeiten für Melodie in unsere Arbeit einzubeziehen, da Steve seine präparierte 8-saitige Gitarre primär wie ein Percussion-Instrument handhabt, unser Duo sich also eher nach dem Zusammenwirken zweier Percussionisten anhört. Unser erstes Zusammentreffen zu dritt in Brüssel war ein voller Erfolg. Wir haben gleich so viel Material aufgenommen, dass daraus direkt unser Album kraan gaar ak resultieren konnte, und haben in Louvain-la-Neuve ein Debütkonzert gegeben, dessen Wirkung aufs Publikum mich und uns schon ziemlich verblüfft hat. Jérémy Carpenet hat aus Video-Aufnahmen aus der Maison Pelgrims sehr eigene und bemerkenswerte Kreationen geschaffen, die auf Vimeo bez. unserer Homepage http://www.namu3.net/ zu finden sind. Sie spiegeln gerade das Vertrauen in die Kraft des Absurden und in das Perfekte im Nichtperfekten visuell einzigartig wider und beinhalten auch einige hoch romantische Momente.

namu3 und Guylaine Cosseron* … und zur Zusammenarbeit mit Musiker/innen?
Bereits als Duo haben Steve und ich mich Gästen gearbeitet. 2006 haben wir z.B. die Performance momentum mit den Tänzern Milton Paulo und Javier Suarez im Osnabrücker Schloss gegeben. Die interdisziplinäre Aufstellung hat sich mit dem Trio NAMU 3 fortgesetzt und gehört in Teilen zum Konzept. 2012 gab es die Zusammenarbeit mit Studierenden im Rahmen meines Stücks Drone for La Monte Young < http://www.noz.de/lokales/osnabrueck/artikel/177299/fantastisch-joachim-raffels-drone-for-lamonte-young-im-osnabrucker-schloss >. Wir haben mit Maschinen, wie den 100 Jahre alten Webstühlen im Tuchmacher Museum Bramsche gespielt. Letztes Jahr ist bei einem spannenden Doppelkonzert im Bielefelder Bunker Ulmenwall die äußerst talentierte Saxofonistin Anna-Lena Schnabel als Gast bei uns eingestiegen. Guylaine Cosseron ist mir zufällig in einer Konzertankündigung ihres französischen Trios im Internet aufgefallen. Ich dachte: wenn eine von ihrer Klangsprache und ihrer Art des Gesangs her ideal zu NAMU 3 passt, dann kann es nur sie sein. Daraufhin haben wir sie eingeladen.

namu3 und Guylaine Cosseron* Wie sind die Reaktionen des Publikums?
Wie gesagt waren wir bereits beim allerersten Konzert des Trios verblüfft über die Reaktionen und Rückmeldungen des Publikums. Viele haben unsere Musik offenbar als sehr spannende und auch seltene Assoziationsreise erlebt. Beim Blick ins Publikum konnte man geradezu sehen und spüren, wie intensiv viele in das Geschehen, das ja nun wahrlich keine bekannten Melodien, Hits oder Ohrwürmer bietet, eingetaucht sind. Die Tiefe und Intensität des eigenen Erlebens beim Spielen überträgt sich, wie ich glaube, gerade bei improvisierter Musik sehr unmittelbar.

namu3 und Guylaine Cosseron* Eure Wünsche für die Zukunft?
Natürlich wünschen wir uns viele weitere spannende Konzerte und Kooperationen. Wir stellen mit Freude fest, dass aktuell eine gewisse Art der Wahrnehmung von NAMU 3 auch durch die internationale Szene spürbar wird. Ein wenig bezeichnend dafür könnte man vielleicht die Tatsache unserer Zusammenarbeit mit Guylaine Cosseron sehen, die ja u. a. mit Weltgrößen der improvisierten Musik, wie Phil Minton und Joëlle Léandre spielt …

Das Interview führte Sonia Wohlfarth Steinert

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