DANSE MACABRE – Die Totentänze I und II von Mary Wigman im Theater Osnabrück

totentanz_ii_3_kl11. Februar – 25. Juni 2017
Tanz – Ausstellungen – Konzerte – Performances – Vorträge

DANCE MACABRE
Foto: Jörg Landsberg; Jayson Syrette (Dämon), Ensemble
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von Sonia Wohlfarth Steinert

„Sie werden ein Tanzpanorama eines (ganzen) Jahrhunderts erleben“, verspricht Theaterintendant Ralf Waldschmidt. Er hat nicht zuviel versprochen bei dem dreiteiligen Tanzabend DANCE MACABRE im Theater Osnabrück.


Als letzten Teil des Abends zeigt die Dance Company Strawinskys SACRE-Version für zwei Klaviere in einer neu entstandenen, poetischen Choreografie von Leiter Mauro de Candia.

SUPERNOVA von Gastchoreograf Marco Goecke bildet den Mittelteil des Abendprogramms. Zuckende, irre schnelle Bewegungen, glitzernde Kostümeffekte. Ein elektrisierender zeitgenössischer Gegenentwurf zu zwei Totentänzen von Mary Wigman, die den Anfangsteil des Tanzabends bilden.
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Die Totentänze I und II von Mary Wigman

Bei DANSE MACABRE kommt der Tänzerin, Choreografin und Tanzpädagogin Mary Wigman (1886-1973) eine besondere Rolle zu.

Unterstützt von der Kulturstiftung des Bundes TANZFONDS ERBE, Material von Deutschen Tanzarchiv Köln und Ernst Ludwig Kirchner Archiv – Galerie Henze & Ketterer wurde über ein Jahr am Theater Osnabrück recherchiert, rekonstruiert, nachgebaut, neu komponiert. Es wurden Puzzleteilchen gesucht und gefunden im fragmentarischen Nachlass Wigmans und Abbildungen anderer Künstler dazu gesichtet. So entwickelten sich peu a peu Choreografien, die so nah wie möglich an den Originalen sein sollen.

Als eine der bedeutendsten und einflussreichsten Protagonistinnen des modernen Tanzes im Deutschland des 20. Jahrhunderts entwickelte Mary Wigman 1917 Totentanz I und 1926 Totentanz II. Die beiden Totentänze waren Inspiration für bildende Künstler ihrer Zeit, wie den Maler Ernst Ludwig Kirchner.  (Tipp: Zeichnungen und ein Gemälde Kirchners zu Mary Wigmans Tänzen sind bis 25. Juni 2017 in der Sonderausstellung „Tanz und Tod in der Kunst des frühen 20. Jahrhunderts“ im Felix-Nussbaum-Haus Osnabrück zu sehen.)

Das Tanztheater Osnabrück wagte sich für DANSE MACABRE an Ausgangsmaterial von Totentanz I und II, das viele Fragen offenließ – Welche Farben hatten die Kostüme? Wie war die Dramaturgie? Henrietta Horn vom Rekonstruktionsteam: „Wir hatten Tanznotationsfragmente, Raumwegskizzen zu Totentanz1“ – und an deren Neuinszenierung. Eine aufwendige, spannende, ambitionierte Spurensuche und sehens- und hörenswerte Rekonstruktion mit schrillen Klängen, Gong und anderem Schlagzeug.
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Mary Wigman

Mary Wigman gilt als eine der Wegbereiterinnen des rhythmisch-expressiven Ausdruckstanzes, machte ab den 1920er Jahren den New German Dance international bekannt und gründete Tanzschulen.

Geboren in Hannover machte Wigman eine Ausbildung als rhythmische Gymnastiklehrerin, wo sie lernte: Musik dominiert die Bewegung. Ihr gefiel das nicht, und sie experimentierte mit Tanzbewegungen ohne Musik. Wigman-Biografin Hedwig Müller: „(Sie tanzte) freie Bewegungsfolgen, was sie empfand. Tanz als Symbol des Lebens. Tanz ist Leben und Leben ist Tanz.“

1913 trat Mary Wigman in Rudolf von Labans Schule für Kunst auf dem Monte Verità, Ascona in der Schweiz ein. Laban war wesentlich an der Entwicklung des modernen Ausdruckstanzes beteiligt (Labanotation).

Einer ihrer ersten öffentlichen Tänze war der Hexentanz I:


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Die (Neu)inszenierungen

Schon 2013 hatte die Dance Company Mary Wigmans SACRE DE PRINTEMPS rekonstruiert und uraufgeführt. Im Rahmen des Interdisziplimären Projektes DANSE MACABRE in Osnabrück bot sich das Wagnis, Totentanz I und II zu rekonstruieren an. Choreograf Mauro de Candia: „Ich wollte dabei keinen Pathos haben. Keine deutliche Geschichte erzählen.“

Auch SACRE im letzten Teil des Tanzabends ist eine Referenz von de Candia an Mary Wigmans Totentänze und Rekonstruction ihres SACRE.


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DANSE MACABRE im Theater Osnabrück

Es geht um Führung und Verführung, Locken und Abstossen, Spiel und Ernst bei Totentanz I und II.

Zeitweilig mit Masken -skurril, faszinierend, bannend-, in Kostümfarben nach Ernst Ludwig Kirchners Skizzen, bewegt sich die junge Osnabrücker Dance Company auf der Bühne. Die Masken sind eng anliegend für die Gesichter der TänzerInnen maßangefertigt worden und sollen zum Tanzen und atmen geeignet sein. Eine Herausforderung für die Kostümbildner.

Ein Tipp zum Schluß: Originale Holzmasken aus Mary Wigmans Nachlass sind ebenfalls in der Sonderausstellung „Tanz und Tod in der Kunst des frühen 20. Jahrhunderts“ im Felix-Nussbaum-Haus Osnabrück zu sehen.
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„To come closer to the meaning of the dance – the secret that lies hidden in the breath, which is the secret of life.“
(Mary Wigman)

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Links:

Mary_Wigman
wiki/Mary_Wigman

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TERMINE von DANSE MACABRE im Theater Osnabrück
Do., 16.2. | Di., 21.2. | So., 26.2. | Fr., 10.3. | So., 12.3. | Di., 21.3. | Sa., 25.3. | Mi., 12.4. | So., 16.4.2017, jeweils 19.30h
Info

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DANSE MACABRE

Tanz – Ausstellungen – Konzerte – Performances – Vorträge

Ein interdisziplinäres Projekt in Osnabrück
* Theater Osnabrück
* Felix-Nussbaum-Haus
* Diözesanmuseum
* Kunsthalle Osnabrück

http://www.dansemacabre-osnabrueck.de/

 


  1. 1 Erneste Junge zu Mary Wigman | www.osnabrueck-kultur.de

    […] Theater Osnabrück zeigt in DANSE MACABRE zwei Rekonstruktionen des Totentanz I und II von Mary Wigman (1887 – […]




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