EMAF 2017 – die Preisverleihung

30. European Media Art Festival
// Festival: 26. – 30. April 2017
// Ausstellung: 26. April – 21. Mai 2017

// Cinema / Exhibition / Performances / Conference / Media Campus www.emaf.de

Beim 30. European Media Art Festival sind am Abend drei Preise verliehen worden. Den mit 3.000 Euro dotierten EMAF Award erhielt das Künstlerduo Elise Florenty & Marcel Türkowsky für eine richtungsweisende Arbeit in der Medienkunst. Lawrence Abu Hamdan wurde mit dem Dialog Preis des Auswärtigen Amtes ausgezeichnet, der zur Förderung des interkulturellen Austausches vergeben wird. Den EMAF Medienkunstpreis der Deutschen Filmkritik bekam Philip Widmann für eine herausragende deutsche Arbeit.

Zwei Jurys haben in den vergangenen Tagen die nominierten Arbeiten gesichtet. Die Internationale Jury – bestehend aus Kabir Mehta (Produzent und Regisseur, Delhi), Federica Patti (freie Kuratorin, Bologna) und Ulrich Ziemons (Kurator und Filmwissenschaftler, Berlin) – vergab neben dem EMAF-Award auch den mit 2.000 Euro dotierten Dialog Preis des Auswärtigen Amtes.

Ausgezeichnet wurde Lawrence Abu Hamdan für seine Arbeit „Rubber Coated Steel“. Der Klangkünstler Abu Hamdan untersucht darin einen Vorfall vor einem Gefängnis im besetzten Westjordanland, bei dem zwei unbewaffnete Jugendliche während einer Demonstration von einem israelischen Soldaten erschossen werden. Mit seiner audio-ballistischen Analyse der aufgezeichneten Schüsse konnte Abu Hamdan den entscheidenden Beweis dafür liefern, dass der Soldat tatsächlich scharfe Munition verwendet hatte – nicht, wie behauptet, „nur“ Gummigeschosse. „Der Film ist eine geradlinige Untersuchung eines hochaufgeladenen Konflikts und ein kraftvolles Statement gegen systemische Gewalt und Mechanismen des juristischen Diskurses, die Stille und Schweigen erzwingen“, urteilte die Jury. Er inszeniere eine forensische Untersuchung als körperliche Kinoerfahrung und stelle dadurch nicht nur Konventionen des filmischen Erzählens in Frage, sondern ebenso die institutionellen Grundlagen von Wahrheitsfindung und Gerechtigkeit.

Elise Florenty & Marcel Türkowsky erhielten nach 2014 bereits zum zweiten Mal den EMAF Award. In diesem Jahr überzeugten sie mit ihrer Arbeit „Conversation with a Cactus“. Sie erzählen darin von Mei, einer 30-jährigen Frau aus Tokio, die in einer Nachricht an ihren Freund Toshi in Hamburg von Haikus, merkwürdigen Erinnerungen aus ihrer Jugend und der letzten stickigen Sommernacht berichtet. Ihre traumartige Reise verbindet sie mit verschiedenen Aussagen über das legendäre Hashimoto-Experiment aus den 70er Jahren. Dabei sollte das Bewusstsein von Pflanzen deutlich gemacht werden, um sie in Zukunft zur Aufklärung von Verbrechen nutzen zu können. „Der Film ist Medienhistorie und Geistergeschichte zugleich, verbindet Wissenschaft und Mythologie und führt uns an einen Ort jenseits von Verstehen und Vernunft“, heißt es in der Begründung der Jury. Inspiriert von japanischer Populärkultur und Tradition präsentiere er sich als einladendes Labyrinth aus Stimmungen und Erfahrungen, in dem man sich nur zu gerne verliere.

„Das Gestell“ Die Deutsche Jury bestand aus Ekkehard Knörer (Filmkritiker und Publizist, Berlin), Conny E. Voester (freie Kuratorin und Projektmanagerin, Berlin/Basel) und Insa Wiese (Leiterin der Internationalen Kurzfilmwoche Regensburg). Die drei vergaben den EMAF Medienkunstpreis der Deutschen Filmkritik (VDFK) an Philip Widmann für „Das Gestell“.
Ein deutscher Filmemacher geht darin nach Kyoto und trifft dort auf eine Gruppe japanischer Philosophen, die sich an der Übersetzung von Heideggers Technikphilosophie versuchen. Er beginnt, sich selbst mit Heidegger zu beschäftigen und macht 16mm-Aufnahmen von Wasser und Wald, Stadt und Menschen und nimmt so Kontakt mit Heideggers Biografie und seiner Philosophie auf. Widmann setze eine Begegnung zwischen Wörtern, Welten, zwischen Bildern und Klängen auf kluge, komplexe und indirekte Weise ins Bild – so die Begründung der Jury. „In geschriebener Form, als Untertitel, kommen Notizen zu Geschichte, aber auch die Gedanken der Philosophen ins Bild: der eine Moment, in dem die Philosophen hörbar nach der richtigen Übersetzung für Heideggers Sprache suchen, fällt umso stärker heraus.“

Vor der Verleihung des mit 1.000 Euro dotierten Preises verlas Conny E. Voester eine Erklärung der Deutschen Jury. Sie erinnerte an das Schicksal ihrer Kolleginnen und Kollegen, die nicht nur in ihrer Arbeit behindert sondern inhaftiert oder sogar mit dem Tod bedroht werden, wie derzeit etwa in der Türkei. „Wir fordern weiterhin mit Nachdruck die Freilassung von Deniz Yücel sowie aller inhaftierter Journalisten“, sagte Voester unter Applaus bei der Preisverleihung des 30. European Media Art Festivals in Osnabrück.

Advertisements




Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s



%d Bloggern gefällt das: