Danse macabre – Führung im Felix-Nussbaum-Haus

12.2. – 25.6.2017 „Tanz und Tod in der Kunst des frühen 20. Jahrhunderts“, Felix-Nussbaum-Haus Osnabrück

So., 27. Juni, 11.30 Uhr
Führung durch die Ausstellung mit Kuratorin Anne Sibylle Schwetter. Im Anschluss Live-Musikperformance mit Musik von Shira Yazur an der Installation „While Dictators Rage“ (2013) von Michal Helfman.

Interview mit Anne Sybille Schwetter zur Ausstellung…

* Ist das künstlerische Thema „Totentanz“ aktuell?

Das Thema Totentanz wurde von Künstlern immer wieder herangezogen, wenn die Erfahrung des gewaltsamen Todes und die damit verbundene Angst vor dem unvorbereiteten Sterben Konjunktur hatte. Der Tanz als vitalster Ausdruck des Lebens und seine Aneignung durch den Tod verdeutlicht die Macht des Todes über den Menschen. In Zeiten, in denen Kriege und gewaltsames Sterben aktuell sind, fordert uns natürlich auch dieses Thema immer wieder erneut heraus. Zwar leben wir in einer Zeit, in der der Tod in unserem unmittelbaren privaten Umfeld eher zurückgedrängt wird (bspw. in der modernen Bestattungskultur aber auch dem Ideal der alterslosen Gesellschaft). Zugleich stellen wir fest, dass Bilder des Sterbens und des Todes sowohl in Filmen und weiten Bereichen der Populärkultur weit verbreitet sind. Auch Berichte über Kriege, Vertreibung und Leid durch Gewalt, Diktatur und Terror gelangen über die Medien alltäglich in unsere Wohnzimmer. Insofern ist das Thema aktuell, schließlich fordert es zum Nachdenken über unsere Erfahrungen mit dem Thema heraus.

* Wie sind die Besuchereaktionen auf die Ausstellung?

„While Dictators Rage“ (2013) von Michal Helfman, Ansicht der Installation im Felix-Nussbaum-Haus mit den beiden Musikerinnen Shabnam Paravesh und Mijong Yang.
Foto: © Angela von Brill

Die Besucher der Ausstellung sind sehr überrascht von der Vielfältigkeit des Themas. Der Zeichentrickfilm „Skeleton Dance“ aus der Serie der „Silly Symphonies“ von Walt Disney ist ein besonderes Beispiel und eine amüsante Version des Themas, die die Besucher so nicht erwarten. In der Ausstellung wird eine große Spannbreite von Werken zum Totentanz gezeigt: Mittels Fotos und den Werken von Ernst Ludwig Kirchner ist der moderne Bühnentanz der Mary Wigman präsent. Weitere Beispiele sind aus dem Bereich der Lyrik, des Films und des Trickfilms. Aber auch Plakate sind zu entdecken und natürlich Grafiken und Gemälde mit wichtigen Positionen zum Totentanz, die von bedeutenden Künstlern wie Ernst Barlach, Karl Hofer oder Otto Dix geschaffen wurden.

* Die Ausstellung zeigt drei Werke von Felix Nussbaum. Die Installation „While Dictators Rage“ (2013) von Michal Helfman bezieht sich u.a. mit dem Lambeth Walk auf ihn. Welche Bedeutung hat der Lambeth Walk im Werk Felix-Nussbaums?

Felix Nussbaum zitiert den populären Musicalschlager in seinem Gemälde „Triumph des Todes“ und kontrastiert mit ihm den Tanz der Gerippe. Mit den zerstörten Instrumenten lassen sie auf dem Schutthaufen der menschlichen Zivilisation eine Kakophonie erklingen und triumphieren über den Tod. Der Lambeth Walk dagegen ist ein fröhliches Lied mit einer swingenden Melodie. Er avancierte in den 1940er-Jahren zu einem beliebten Tanz, der auch für den politischen Widerstand wichtig wurde: Vor allem in England wurde er als Zeichen des Widerstandes gegen Krieg und Zerstörung und für das Recht auf Leben getanzt. Ebenso wurde der Lambeth Walk für politische Parodien genutzt. Nussbaums Gemälde ist auch eine solche, bittere Parodie, die zu einem Nachdenken über die Bedeutung von Populärkultur in Krisenzeiten einlädt.

Im Anschluss an die Führung mit Kuratorin Anne Sybille Schwetter am Sonntag, 25. Juni, 11.30 Uhr zeigt die Ausstellung die  Musikperformance mit Musik von Shira Yazur an der Installation „While Dictators Rage“.

http://www.dansemacabre-osnabrueck.de/

http://www.osnabrueck.de/Felix-Nussbaum-Haus

SWS

Infos zu Ausstellung und DANSE MACABRE:

Im Zentrum der facettenreichen Präsentation, die die bewegte Ära zwischen den Weltkriegen wieder aufleben lässt, stehen Felix Nussbaums „Triumph des Todes“ (1944) und Ernst Ludwig Kirchners Gemälde „Totentanz der Mary Wigman“ (1926). Die Ausstellung findet im Rahmen eines spartenübergreifenden Kooperationsprojekts mit dem Theater Osnabrück, dem Diözesanmuseum Osnabrück und der Kunsthalle Osnabrück statt.

Neben Kirchner und Nussbaum sind Werke unter anderem von Otto Dix, Ernst Barlach, Walt Disney, James Ensor, Frans Masereel, Edmund Kesting und Karl Hofer zu sehen.

Die Installation der israelischen Künstlerin Michal Helfman „While Dictators Rage“ aus dem Jahr 2013 ergänzt die Ausstellung um eine zeitgenössische Position und stellt spannende Bezüge zur Gegenwart her. Für die Installation Helfmans hat die Komponistin Shira Yasur eine zeitgenössische Variation des beliebten Musical-Hits „Lambeth Walk“ aus den 1930er-Jahren geschaffen. Ein Notenblatt dieses Hits ist auch auf Nussbaums letztem Werk „Triumph des Todes“ zu sehen.

Die Musik wird in der Installation live zur Aufführung gebracht. Es spielen Shabnam Paravesh (Klarinette) und Mijeong Yang (Violine). Die Kuratorin Anne Sibylle Schwetter lädt vor Beginn der Musikperformance zu einer Führung durch die Ausstellung ein.

Während das Theater Osnabrück mit dem Tanzprojekt „Danse Macabre“ die historischen Choreografien Mary Wigmans zusammen mit zeitgenössischen Gegenentwürfen von Marco Goecke und Mauro de Candia zur Aufführung bringt, fokussiert das Diözesanmuseum Osnabrück in der Ausstellung „Im Angesicht des Todes. Begegnung zwischen Schicksal und Hoffnung“ das Thema aus historischer Perspektive. Die Kunsthalle Osnabrück zeigt unter dem Titel „„Verweile doch (Ein Abgesang)“ eine performative Installation aus Vintage Elektronic Equipment des kolumbianischen Künstlers Icaro Zorbar.

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