b r o k e n . p e r f o r m a n c e : : : f i n a l

uwe_finalSa., 19.12., 19h, Start: BBK Kunstquartier, Bierstr. 33
die letzte aktion

kunstquartier – intervision studio (lohstr. 58, hinterhaus) – hdj.bocksmauer

mit gruppe w e l t A u s s t e l l u n g [düsseldorf/berlin]
anja lautermann, peter issig, thilo schölpen und uwe moellhusen.

situative musikimprovisation für 3 räume, 3 zwischenräume, 3 methoden
* aktion – lautsprechermusik – videoinstallation
* konzert für klavier, flöte und intervention
* elektroakustische aktion : the new primitive

* osnabrueck-kultur Interview mit Uwe Möllhusen zur vierteiligen b r o k e n . p e r f o r m a n c e …

* Worum geht es bei b r o k e n . p e r f o r m a n c e?

brokenim vorfeld der ausstellung schrieb ich :
„….ohne rücksicht auf zeittypischen geschmack mit seinen
kurzgeschlossenen genussempfindungen negiere ich das kunstwerk als abgeschlossene konserve.
die konserven-kultur, die auf sicherheit setzt beschwört unser historisches gedächtnis,
überfüllt den sozialen raum und bremst den fortschritt mit falschen fährten,
die uns im kreis laufen lassen.
der bruch mit der vergangenheit und die zerstörung verbrauchter formen
sind ein immer neu zu überprüfender versuch entregelte situationen zu provozieren,
so entkommen wir der enge, die die tendenz besitzt immer enger zu werden
analog zu den poe’schen wänden, die immer näher rücken und uns irgendwann erdrücken.
ich vertraue darauf,
dass das soziale und künstlerische spiel
immer wieder neue regeln braucht, ansonsten
gewinnt es zuviel macht über mich und die anderen.
mein stil ist der bruch.“

brokenb r o k e n . p e r f o r m a n c e : : : o p e n i n g
ist
eine ausstellung, eine destruktive aktion, die kreation einer neuen ausstellung und eine elektroakustische komposition
oder abstrakter formuliert: broken performance war ein vollkommen kohärenter raumzeit-prozess.
nicht das unantastbare, konservierte werk,
nicht einmal die durch die aktion neu entstandene ausstellung,
sondern die [konstruierte] situation in der etwas neues entsteht findet mein zentrales interesse.broken
es handelt sich auch nicht um die zerstörung meiner ausstellung
sondern um die transformation in eine ausstellung der zerstörung,
und den versuch die grenze von müll und kunst gelöst oszillieren zu lassen.
die zuerst noch verpackte ausstellung, die ein geheimnis barg, eine parodie auf die
sogenannte interpretationsbedürftigkeit moderner kunst, die sich meistens in feuilletonistischen banalitäten entlädt, wurde in einem physischen angriff auf die wandobjekte freigelegt. diese direkte aktion sollte in ihrer eindeutigkeit jede interpretation überflüssig machen und die nackte wirklichkeit in die galerieräume holen und eine überzeugende ausstellung der „kunst-opfer“ hinterlassen.
nicht zufällig habe ich für diese aktion mixed-media assemblagen von 1987 gewählt,
die die ästhetische faszination von gewalt und machtdarstellung thematisieren.
gleichzeitig fand die aktion ihr akustisches spiegelbild
in der elektroakustischen komposition b r o k e n . p e r f o r m a n c e,
die übrigens in den nächsten tagen auf dem englischen netlabel „surrism phonoethics“ veröffentlicht wird.
die mikrophonierung des gesamten ausstellungsraumes ermöglichte eine akustische verstärkung der aktion
und eine neuausrichtung der aktionsklänge als lautsprechermusik. im laufe der performance
wurden die signale über ein w-lan netzwerk an stationäre und mobile modulationsstationen
weitergeleitet und zunehmend in elektronische klanginformation gewandelt.
peter issig und anja lautermann, 2 klangkünstler aus düsseldorf,
waren für die realisation [mikrofonie / elektronische modulation] verantwortlich.
brokenb r o k e n . p e r f o r m a n c e
ist verwandlung, veränderung, bruch mit der konserven-kunst … das ist mein werk.
die hinterlassene negativ-installation in der galerie , die projizierten videodokumente und
die ausstehenden veröffentlichungen aller aktionen begreife ich nicht als meine kunst sondern als aktionsartefakte.
als künstler geht es mir nicht um abbildungen der realität
sondern um situationen, die temporär neue realität schaffen.

brokenb r o k e n . p e r f o r m a n c e ist kein einzelfall.
destruktion, bruch, aufriss, abriss, schnitt, verrottung und umwandlung
sind innerhalb meiner künstlerischen aktivitäten seit 1980 ein wiederkehrendes moment.
ich suche keinen abschluss und hinterlasse nur spuren eines prozesses.
ich suche keinen sinn, keinen hoffnungsschimmer, ich suche gar nichts,
ich probiere nur aus … ohne entgültige vorstellung. ich bin der sohn eines spielers,
der alle spiele liebte….und der so schnell / plötzlich starb wie er lebte.
ich denke teilweise zum spass, aber die aktion meine ich immer ernst.

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uwe11* Was erlebt das Publikum und wie sind die Reaktionen bisher?

Foto: bildzerstörung 1997
plan für die performance b l a c k . b o x.

kurz nach der ersten performance schrieb ich:
„1987 als ich die mixed media assemblagen im „grossen bildersarg“ [meinem damaligen projektraum] ausstellte, empfanden die osnabrücker sie als provokativ, hässlich oder waren irritiert. jetzt habe ich sie zerstört, und das [ver}stört auch wieder einige. ich finde durch die destruktion ist eine modifikation zum wirklich schönen entstanden. mir gefällt meine ausstellung so wie sie jetzt ist sehr gut und die demolierten und verletzten bilder sowie die unkontrolliert entstandene unordnung in der galerie spiegeln perfekt
mein verhältnis zur zeitgenössischen businesskunst und zur allgemeinen konservierungstendenz. SICHERHEIT schreiben wir heute ganz gross…während wir den terror in der welt fürchten geben wir uns selbst dem konsumterror hin, ohne zu bemerken wie eng beides verknüpft ist
aber es könnte natürlich seibrokenn, dass die mehrheit lieber an langeweile zugrunde gehen will, als zu begreifen, dass zerstörung etwas neues schaffen kann, und das neue ist im moment seines ersten erscheinens immer aufregend schön, bis zu dem punkt an dem es dem alten wieder dienstbar gemacht wird.“

wenn ich zeitung, facebook, os1 tv, direkten persönlichen kommentar und die situation in der galerie
zusammenfassen soll:
ich sehe und höre auf der einen seite ein durchaus begeistertes, enthusiastisches publikum,
das anscheinend hungrig nach dieser art von ausstellungs-aktion ist…….
….auf der anderen seite bin ich auch mit viel unverständnis oder totaler ablehnung konfrontiert.
diese stimmen sind aber hauptsächlich eine reaktion auf die verkürzte information der medien,
die natürlich die zerstörung meines alten werks in den fokus ihrer berichterstattung stellen.

auch die vergleiche und verweise auf zero, baldessari, wiener aktionisten oder ein sogenanntes 60er jahre kunst-revival
scheinen mir ein typisches abwehrverhalten zu demonstrieren, indem man mich möglichst schnell in die vergangenheit entsorgen will…ohne vorher viel verstanden zu haben.
brokenzerstörungen in der kunst und auch in meiner kunstbiografie sind nichts neues,
aber im gegensatz z.b. zu baldessari, der sein gesamtes malerisches werk 1970
verbrannt und als akt eines christliches begräbnisses zelebriert hat,
lehne ich diesen christlichen gestus ab.
ich weiss zur zeit nicht einmal was aus der ausstellung wird. ich halte das bewusst offen.
mir ging es keineswegs um die zerstörung an sich sondern um [teil-]zerstörung bzw. modifikation
als voraussetzung für eine zeitlich begrenzte, audiovisuelle neuschöpfung.

etwas, das in der welt in der ich lebe täglich passiert:
im krieg, in der architektur/stadtentwicklung, persönlichen beziehungen, virtueller existenz etc.
aber
brokenje mehr wir erleben müssen, dass wir in einer welt des beschleunigten umbruchs leben,
desto mehr klammern wir uns an die vergangenheit, verschliessen uns und die grenzen.
kriegerische und systemimmanente zerstörungen gehören zu unserem [medialen] alltag, aber tatsächlich zielen diese zerstörungen auf eine neu-etablierung des vergangenen.
um ein harmloses beispiel zu nennen: der palast der republik in berlin, ein architekturdenkmal des demagogischen und gescheiterten staatssozialismus, die menschliche pervertierung einer utopie wird abgerissen zugunsten eines neu-aristrokatischen wiederaufbaus des berliner stadtschlosses. ein denkmal für eine epoche, die im 1. weltkrieg endete. wir zerstören eine schlechte vergangenheit, um auf ihren trümmern eine andere schlechte vergangenheit zu errichten. das ist seit dem rückstoss auf die rebellische 2. hälfte der 60er jahre eine grundsätzliche methode des kapitalismus und seiner insassen…

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uwe8* Wie ist es einzuordnen? experimentell? Erinnerte mich an die Einstürzende Neubauten…

Foto: stephen oldfield

living sound sculptures, die zweite aktion, auf die sich diese frage offensichtlich bezieht war als konzert angekündigt.
eine informelle gruppe oder offene gemeinschaft aus internationalen künstlern:
stephen oldfield aus london, thilo schölpen, peter issig und anja lautermann aus düsseldorf sowie und ich aus berlin
performt regelfreie, intuitive echtzeitmusik.
brokendiese aktion war insoweit experimentell, als die einzelnen musikalischen aktionen nicht geprobt und somit nicht kalkulierbar waren.
wir verwendeten nahezu kein klassisches instrumentarium.
wir benutzten stattdessen ungewöhnliche klangerzeuger wie
steine, kabelbinder, tesafilm, knochenknacken, bomben, draht, kunststoffplatten, papier, pappe, massagegeräte, kehlkopfmikros von panzerfahrern und anderes mehr.
der klang ergab sich grossteils aus einer jeweiligen aktion
und nicht aus klassisch-musikalischer spieltechnik.
so wurden z.b. objekte mit vibratoren in schwingung versetzt oder pappabahnen geschüttelt
oder knochengelenke durch „falsche bewegungen“ zum knacken gebracht.
diese performance war eine collage unterschiedlichster kleiner aktionen,
technologien und materialien … eine musikalische dekonstruktion, der momenthafte soundtrack zur ausstellung.

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uwe5* Was kommt noch?

am 12. dez ab 19:00
sind 2 performances geplant.
the feedback gents
thilo schoelpen aus düsseldorf und robert schleisiek aus köln
performen ihre aktionistische feedback-musik.
und
blind fragment, eine offene situation zwischen aktion und diskussion.
mit uwe moellhusen und peter issig

uwe_final19. dez ab 19:00
gruppe weltAusstellung – broken performance final
eine sound-art performance an 3 orten (kunstquartier, intervision studio, lohstr. 58, hinterhaus und hdj oder ex schlecker, hasestrasse 29/30)
eine brechung des ortes, der methode und des stils.

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* Deine Wünsche für die Zukunft…
mehr gegenwart
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* Was ist das Ziel der Veranstaltungsreihe?
… meine bzw. unsere auffassung von performance-aktion-klangkunst zu demonstrieren.

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SWS

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  1. 1 vermuellung.einer.ausstellung.der.zerstoerung | www.osnabrueck-kultur.de

    […] Interview mit Uwe Möllhusen zu b r o k e n . p e r f o r m a n c e . […]




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